Aber seine Bewohner sind stillschweigend gespalten über die Kämpfe und wurden in den letzten Wochen von einem Fall erschüttert, der zu einem Beweis für die Unterdrückung jeglicher Kritik an der Offensive geworden ist. Alles begann letztes Jahr, als die 13-jährige Maria Moskalyova in der Schule eine Zeichnung anfertigte, die Raketen neben einer russischen Flagge zeigt, die auf eine Frau und ein Kind zusteuern, die neben einer ukrainischen Flagge stehen. Ihre Schulleiterin kontaktierte sofort die Polizei, die sagte, sie habe Kommentare gefunden, die die Offensive auf den Social-Media-Profilen des Vaters des Mädchens, des 54-jährigen Alexei Moskalyov, kritisierten. Moskalyov soll am Montag wegen "Diskreditierung der russischen Streitkräfte" vor Gericht gestellt werden, was nach einem im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetz mit einer Höchststrafe von bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet wird.
Laut seinem Anwalt Vladimir Bilyenko läuft Moskalyov auch Gefahr, die elterlichen Rechte in einem separaten Prozess zu verlieren, der am 6. April beginnen soll. Seit dem 1. März steht Moskalyov unter Hausarrest, während seine Tochter in ein Waisenhaus gebracht wurde und ihr verboten wurde, ihren Vater anzurufen, so Stadträtin Olga Podolskaya. Die Mutter hat sich von der Familie entfremdet. Der Fall in dieser ansonsten beschaulichen Stadt in der russischen Region Tula hat landesweite Aufmerksamkeit erregt und zu einer Online-Petition geführt, in der die Rückgabe des Kindes an seinen Vater gefordert wird. Sogar Jewgeny Prigoschin, Leiter der paramilitärischen Truppe Wagner, die die russische Offensive anführt, hat Maria seine Unterstützung zugesagt und die lokalen Behörden für ihr Vorgehen kritisiert.
In den Straßen von Yefremov waren nur wenige Einwohner bereit, offen über den Fall zu sprechen - oder über ihre Ansichten zum Feldzug in der Ukraine. Auf dem örtlichen Friedhof waren mehrere frische Gräber von Soldaten zu sehen, die bei dem, was Russland seine "militärische Spezialoperation" nennt, getötet wurden. Die Offensive hat sich im vergangenen Monat noch näher angefühlt, als drei ukrainische Drohnen Berichten zufolge in der Region Ziele angeriffen haben. Diese Entwicklungen haben in einer kleinen Stadt, in der jeder jeden kennt, zu wachsender Besorgnis geführt. Auf dem zentralen Platz sagten zwei ältere Frauen mit roten Armbinden, sie seien Teil einer Nachbarschaftswachinitiative, die von Anwohnern gegründet wurde, um verdächtige Aktivitäten zu melden.
agenturen/pclmedia