Das russische Verteidigungsministerium warf der Ukraine vor, Gebäude in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk in die Luft zu sprengen, und beschuldigte dann Moskau, Kriegsverbrechen begangen und Zivilisten in einer Operation unter falscher Flagge angegriffen zu haben. Das Verteidigungsministerium lieferte keine Beweise für die Behauptungen, die es in einem am Sonntag in den sozialen Medien geteilten Beitrag skizzierte und sagte, dass die mutmaßlichen Angriffe von Kiew genutzt würden, um die westlichen Regierungen dazu zu drängen, die Waffenlieferungen an das Land zu erhöhen.
Besonders schwierig sei aktuell die Lage in der Region Donezk. "Aber egal, wie schwer es ist und wie groß der Druck ist, wir müssen überleben", sagte Selenskyj. Die Ukraine müsse jeden Tag und jede Woche nutzen, um die Verteidigungspositionen an der Front sowie die internationale Position des Landes zu stärken. Zur Zeit ist die Ukraine vor allen rund um die Stadt Bachmut im Osten des Landes schwer unter Druck geraten. Dort versuchen russische Truppen sowie Angehörige der berüchtigten Söldnertruppe Wagner seit Wochen, die ukrainischen Verteidigungslinien zu durchbrechen. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau meldete, dass es in der Region vorteilhaftere Positionen eingenommen habe.
Bachmut wird nach Einschätzung britischer Militärexperten immer mehr von russischen Truppen eingekreist. Das ging aus dem täglichen Geheimdienst-Update zum Ukraine-Krieg des britischen Verteidigungsministeriums am Sonntag hervor. Am Freitag versprach Selenskyj, dass seine Streitkräfte "so lange wie möglich" für Bachmut kämpfen werden, aber die Situation dort wird für die ukrainischen Streitkräfte immer schlimmer. Russische Truppen versuchen auch, die Kohlebergbaustadt Vuhledar, etwa 120 km südwestlich von Bachmut, in der östlichen Region Donezk, einzunehmen.
In der südukrainischen Stadt Cherson sind unterdessen bei russischen Angriffen am Sonntag nach Angaben aus Kiew mehrere Zivilisten getötet und verwundet worden. Genauere Angaben zu den Opfern machte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Sonntagabend nicht. Die Stadt sei mindestens 40 Mal aus Raketenwerfern beschossen worden, dabei seien zahlreiche Wohngebäude beschädigt worden. Auch die ostukrainische Stadt Charkiw war nach diesen Angaben Ziel russischer Angriffe aus Mehrfachraketenwerfern. Bei Treffern in einem Wohnhaus seien mindestens fünf Menschen verletzt worden. Der Gouverneur von Charkiw, Oleh Synehubov, sagte: "Ein Wohngebäude im Stadtzentrum wurde getroffen. Ein Feuer brach aus. Bisher sind drei Opfer bekannt: eine 54-jährige Frau und zwei Männer im Alter von 51 und 55 Jahren."
Bei dem seit fast einem Jahr dauernden Krieg ist immer wieder auch zivile Infrastruktur getroffen worden, obwohl Russland behauptet, nur militärische Ziele anzugreifen. Nach UN-Angaben sind seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar mehr als 7000 Zivilisten getötet worden.
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