Prigozhin, dessen Privatarmee letzten Monat die russische Eroberung der ukrainischen Stadt Bachmut anführte, widersetzt sich der Anweisung an Söldnergruppen wie seine, vor dem 1. Juli Verträge mit dem Verteidigungsministerium zu unterzeichnen. Prigozhin stellt Wagner als Russlands effektivste Streitmacht dar und genoss die ungewöhnliche Freiheit, Moskau öffentlich zu kritisieren – allerdings nicht Putin, auf dessen Unterstützung er und Wagner letztlich angewiesen sind. "Das sind große Gebiete, die wir verloren haben", sagte Prigoschin. Auch die Verluste in den russischen Reihen seien groß. Es gebe "kolossale Probleme", die verheimlicht würden. Dagegen berichtete die Armeeführung ohne Beweise über angeblich massenhaft Tote und vernichtete Technik auf ukrainischer Seite. Einmal mehr forderte er eine Mobilmachung, um eine russische Niederlage zu verhindern.
In einer Reihe emotionaler Audiobotschaften verschärfte Prigoschin über zwei Tage hinweg seine wiederholte Kritik an Verteidigungsminister Sergej Schoigu, einem engen Verbündeten Putins und Waleri Gerassimow, dem Chef des Generalstabs – indem er ihnen vorwarf, Russlands "sehr schwere Verluste an der Front" vor Putin zu verheimlichen". "Völliger Müll wird auf den Schreibtisch des Präsidenten gelegt. Shoigu und Gerasimov haben einen einfachen Ansatz. Die Lüge muss ungeheuerlich sein, damit die Leute sie glauben. Das ist es, was sie tun", sagte Prigozhin in einer Nachricht.
"Es bedeutet, dass alles vor allen verborgen bleibt. Russland wird eines Tages aufwachen und erfahren, dass die von Russland annektierte Krim an die Ukrainer übergeben wurde. Sie führen das russische Volk in die Irre und wenn das so weitergeht, stehen wir ohne das Wichtigste da: Russland."
Dagegen berichtete Schoigu bei einem Treffen mit Putin erneut über Verluste auf ukrainischer Seite, darunter angeblich zahlreiche Panzer. Das Tempo von Kiews Gegenoffensive habe sich nach 16 Tagen verlangsamt, sagte Schoigu der Agentur Interfax zufolge. Trotzdem hätten die Streitkräfte weiter großes Potenzial. Zuvor hatte auch Kiew eingeräumt, dass die Offensive langsamer vorankomme als von einigen Beobachtern erhofft.
Auf eine Nachfrage Putins zu Risiken für die eigenen Streitkräfte durch die Lieferung schwerer Waffen aus dem Westen an die Ukraine sagte Schoigu: "Wir sehen hier nicht irgendwelche Bedrohungen - auch, weil bei uns eine Formierung von Reserven läuft". Bis zum Monatsende werde eine "Reservearmee" mit mehr als 3000 Einheiten von Kampftechnik aufgestellt. Details nannte er nicht.
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