Allerdings schien in den vergangenen Wochen Prigoschins politischer Einfluss zu schwinden. Der Angriff auf die ostukrainische Stadt Bachmut wird mit hohen Verlusten vor allem von den Wagner-Bewaffneten getragen. Sie beklagten zuletzt, dass das Militär ihnen nicht genug Munition gebe.
Ein ehemaliger tschetschenischer Kommandant, der von der Ukraine wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gesucht wird, die letztes Jahr begangen wurden, leitete die russischen Erdbebenhilfemaßnahmen in der Türkei. Daniil Martynov war letztes Jahr in den ersten Wochen der russischen Invasion an mehreren Orten in der Ukraine. Er soll dem tschetschenischen Führer Ramsan Kadyrow nahe stehen und wurde in mehreren Videos auf Kadyrows offiziellem Telegram-Kanal vorgestellt. In den letzten Tagen hat er russischen Medien aus dem Erdbebengebiet in der Türkei Interviews gegeben, nachdem er letztes Jahr als Berater in das russische Ministerium für Notsituationen berufen worden war.
Der ukrainische Geheimdienst SBU behauptete, Martinov habe im März die Besetzung der psychiatrischen Klinik Borodianka geleitet. Darin hieß es, dass auf seinen Befehl "fast 500 Menschen (Patienten, Personal und Anwohner) als Geiseln genommen wurden, darunter mehr als hundert bettlägerige Patienten". Der SBU behauptete, das Krankenhaus sei "in eine Schussposition der Besatzer verwandelt worden" und sagte, Martynow werde "Verstoß gegen die Gesetze und Gebräuche des Krieges und Misshandlung von Kriegsgefangenen oder Zivilisten" vorgeworfen.
Während die Wagner-Gruppe eine Schlüsselrolle bei Putins Invasion in der Ukraine gespielt hat, hat sie einen hohen Verlust an Menschenleben verursacht. Die US-Regierung schätzt, dass Wagner während des Konflikts mehr als 30.000 Opfer erlitten hat, darunter etwa 9.000 getötete Kämpfer. Die Gruppe hat sich stark auf Sträflinge verlassen, um ihre Reihen aufzufüllen. "Das zeigt keine Anzeichen eines Rückgangs", sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA am Freitag, obwohl Prigozhin letzte Woche behauptete, dass er nicht länger aus Gefängnissen rekrutieren werde. "Sie behandeln ihre Rekruten, größtenteils Sträflinge, im Grunde wie Kanonenfutter und werfen sie hier buchstäblich in einen Fleischwolf, auf unmenschliche Weise, ohne darüber nachzudenken".
Russland setzt im Angriffskrieg gegen die Ukraine auch Einheiten aus Tschetschenien ein. Sie gehören formal zu Polizei und Nationalgarde, folgen aber faktisch vor allem Kadyrows Kommando.
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