Zuletzt habe der Minister sich mehrmals zu russischen Verteidigungsoperationen geäußert, darunter seien "mit ziemlicher Sicherheit stark übertriebene Behauptungen über die ukrainischen Verluste". Er habe zudem öffentlichkeitswirksam die russische Rüstungsindustrie aufgefordert, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, und Beamte kritisiert, dass sie nicht schnell genug gepanzerte Reservefahrzeuge an die Front geschickt hätten. Die öffentlichen Auftritte stünden in Kontrast zu anderen Schlüsselmomenten des Krieges, als Schoigu nicht zu sehen war, hieß es.
Einer Open-Source-Geheimdienstanalyse zufolge hat die Ukraine in den letzten Tagen 16 von den USA gelieferte Panzerfahrzeuge verloren, als das Militär des Landes bekannt gab, dass seine Streitkräfte bei einer Offensive in der östlichen Region Donezk drei Dörfer von Russland erobert hätten. Laut Jakub Janovsky von der niederländischen Open-Source-Geheimdienst-Website Oryx, die visuelle Beweise gesammelt hat, stellen die 16 US-amerikanischen Bradley-Infanterie-Kampffahrzeuge, die in den letzten Tagen entweder zerstört oder beschädigt und zurückgelassen wurden, fast 15 % der 109 dar, die Washington Kiew zur Verfügung gestellt hat Verluste an militärischer Ausrüstung in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar 2022. Das Bradley-Kampffahrzeug, das sich auf Ketten statt auf Rädern bewegt, kann etwa 10 Truppen aufnehmen und dient dem Transport von Personal in die Schlacht sowie der Bereitstellung von Unterstützungsfeuer.
Unterdessen hat das russische Verteidigungsministerium nach eigenen Angaben vor dem Hintergrund eines andauernden Streits mit der Söldnertruppe Wagner eine erste Privatarmee unter Vertrag genommen. Das Dokument sei zwischen dem Ministerium und der Spezialeinheit Achmat unterzeichnet worden, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde am Montag. Achmat gilt als Privatarmee des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow.
Am Wochenende hatte das Verteidigungsministerium angekündigt, bis zum 1. Juli alle auf Moskauer Seite kämpfenden Privatarmeen unter seine Befehlsgewalt nehmen zu wollen. Vorausgegangen waren monatelange Kompetenzstreitigkeiten mit der Söldnerarmee Wagner des Oligarchen Jewgeni Prigoschin, die für Moskau im Raum der ostukrainischen Stadt Bachmut aktiv war. Allerdings hat sich Prigoschin dieser Anweisung schon mit der Begründung widersetzt, dass Verteidigungsminister Sergej Schoigu kaum in der Lage sei, die regulären Truppen ordentlich zu führen.
Kadyrow und Prigoschin galten lange Zeit als Tandem im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und kritisierten gemeinsam Generalstab und Verteidigungsministerium wegen der ihrer Ansich nach falschen Taktik und eines zu weichen Vorgehens. Allerdings haben sich Söldnerchef und Tschetschenenführer zuletzt öffentlich zerstritten. Während Prigoschin den Tschetschenen vorwarf, sie seien auf dem Schlachtfeld nicht zu sehen, sondern drehten hauptsächlich Tik-Tok-Videos, machte Kadyrow sein Gegenüber für die hohen russischen Verluste vor Bachmut verantwortlich.
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