"Es ist ein politischer Fall, in der die gesamte Arbeit des FBK seit 2011 für extremistisch erklärt wird und für Nawalny bis zu 35 Jahre Haft gefordert werden", schrieb Wolkow bei Twitter. Die extrem lange Haft ergebe sich aus dem Zusammenlegen mehrerer Straftaten, für die kein lebenslanger Freiheitsentzug vorgesehen sei.
Nawalny, der im Jahr 2020 nur knapp einen Giftanschlag überlebte, wurde Anfang 2021 unmittelbar nach der Rückkehr aus Deutschland, wo er sich zur Behandlung und Rehabilitation befand, auf einem Moskauer Flughafen festgenommen. Ihm wurde zunächst der Verstoß gegen Bewährungsauflagen aus einem früheren Prozess zur Last gelegt. Später wurde er unter anderem wegen Betrugs zu einer weiteren Gefängnisstrafe verurteilt. Laut den bisherigen Urteilen muss er bis 2032 im Gefängnis sitzen.
Zuletzt hatte Nawalnys Anwalt Wadim Kobsew über den sich verschlechternden Gesundheitszustand des 46-Jährigen in Einzelhaft berichtet. Seit dem vergangenen Sommer wurde Nawalny im Straflager Melechowo im Gebiet Wladimir rund 250 Kilometer nordöstlich von Moskau bereits 13 Mal in eine Isolationszelle gesperrt. Zudem habe die Gefängnisbehörde den Kremlkritiker provoziert, um ein neues Verfahren gegen ihn zu eröffnen.
Ein Moskauer Gericht hat unterdessen die Verhaftung des bulgarischen Investigativjournalisten Christo Grozev in Abwesenheit angeordnet und ihn auf seine Liste "ausländischer Agenten" gesetzt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur RIA. Grozev ist der führende Russland-Journalist der Nachrichtenagentur Bellingcat.
Er spielte eine Schlüsselrolle bei der Untersuchung der Vergiftung des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny und hat ausführlich über Moskaus Offensive in der Ukraine berichtet. Grozev ist derzeit nicht in Russland. Im Jahr 2022 wurde er von russischen Behörden auf eine Fahndungsliste gesetzt, die ihn beschuldigte, dem ukrainischen Geheimdienst geholfen zu haben.
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