Selenskyj verurteilte den Anschlag. Unter den Trümmern seien Menschen. "Der einzige Weg, den russischen Terrorismus zu stoppen, ist ihn zu besiegen. Durch Panzer. Kampfjets. Weitreichende Raketen", schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.
Russland überzieht die Ukraine in dem Krieg, der am 24. Februar begann, immer wieder mit Raketenangriffen, die zuletzt vor allem der Energie-Infrastruktur des Landes galten. Immer wieder werden auch einfache Wohnhäuser getroffen, weshalb viele Zivilisten durch Putins Krieg sterben. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind durch Putins Krieg bisher mehr als 7000 Menschen in der Ukraine getötet worden.
Nach einem schweren Raketeneinschlag in einem Wohnhaus in der Ukraine will Russlands Präsident Wladimir Putin an diesem Donnerstag einen Sieg aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges feiern. Während die Ukraine um die Toten des Raketenterrors in Kramatorsk trauert, erinnert Putin an den 80. Jahrestag des Sieges der Roten Armee in der Schlacht von Stalingrad gegen die Wehrmacht. Dazu reist der 70-Jährige in die Stadt Wolgograd, die wegen des Jubiläums aktuell laut Ortsschildern kurzzeitig wieder Stalingrad heißt.
In seiner Videobotschaft informierte Selenskyj vor einem EU-Ukraine-Gipfel an diesem Freitag über "Erfolge" der Arbeit ukrainischer Strafverfolgungsbehörden. So flog etwa eine Polizeiabteilung auf, die einen Prostituiertenring gedeckt haben soll. Es habe Gewalt gegen Mädchen gegeben, sagte Selenskyj. Es gebe erste Festnahmen. Die Beamten sollen Behörden zufolge monatlich eine Million Euro "Schutzgeld" kassiert haben.
Selenskyj hatte zuletzt angekündigt, gegen Korruption, Amtsmissbrauch und anderes kriminelles Verhalten im Staatsdienst durchzugreifen. Er sagte, dass führende Kräfte des Zolldienstes entlassen seien. Zudem hätten der Geheimdienst SBU, Ermittler und Staatsanwälte Dutzende Razzien in verschiedenen Regionen im Land durchgezogen, um Beweise für Strafverfahren zu sammeln. "Gerechtigkeit wird hergestellt."
Auch die EU-Kommission fordert weitere Anstrengungen im Kampf gegen kriminellen Machtmissbrauch. Vor der Präsidentenwahl im kommenden Jahr dürfte Selenskyj den Schaden für sich begrenzen wollen, weil nach fast vier Jahren an der Macht aus Sicht vieler Wähler immer noch zu wenig auf diesem Feld passiert ist. Selenskyj informierte zudem über den Besuch des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen in Kiew. Zwar liefert Österreich, das als neutrales Land nicht Nato-Mitglied ist, keine Waffen an die Ukraine. Trotzdem helfe das EU-Land im Kampf gegen den russischen Terror, lobte Selenskyj.
Putin hielt am 1. Februar ein Treffen ab, um die Wiederherstellung der Wohninfrastruktur in der annektierten Region der Krim sowie in den Regionen Belgorod, Brjansk und Kursk nach dem, was er als "Beschuss durch Neonazi-Formationen" bezeichnete, zu erörtern. Das Institute for the Study of War sagte in seinem jüngsten Bericht, dass Putins Fokus auf die angebliche Gefahr eines ukrainischen Beschusses von Grenzregionen wahrscheinlich einem zweifachen Zweck dient.
Erstens fördert es eine Informationsoperation, die darauf abzielt, "den Krieg in der Ukraine als existenzielle Bedrohung für russische Bürger darzustellen", um im Inland Unterstützung für einen langwierigen Krieg zu gewinnen. Zweitens stellen die Experten fest, dass Putin möglicherweise auch Bedingungen für eskalierte grenzüberschreitende Überfälle schafft, um die ukrainischen Streitkräfte von kritischen Vormarschachsen abzulenken und zu zerstreuen, indem er sie in nordöstlichen Grenzgebieten festnagelt. "Eine russische Invasion aus Belarus ist äußerst unwahrscheinlich, und die laufende Informationsoperation, um ukrainische Truppen an der Grenze zwischen der Ukraine und Belarus festzunageln, scheint ins Stocken zu geraten, da ukrainische Beamte zunehmend einschätzen, dass diese Eventualität unwahrscheinlich ist", stellte das Institut fest.
"Die Drohung mit grenzüberschreitenden Überfällen aus den Oblasten Belgorod, Brjansk und Kursk in die Nord- und Nordostukraine ist wahrscheinlich ein Versuch, die Ukraine zu zwingen, begrenzte Elemente in diesen Gebieten zum Schutz vor solchen Angriffen zu stationieren und so die ukrainischen Truppen im Voraus in gewissem Maße zu zerstreuen einer wahrscheinlichen russischen Offensivoperation in den kommenden Monaten", schrieb ISW.
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