Sunak betonte, Großbritannien wolle ukrainische Piloten "recht bald" an westlichen Jets ausbilden. "Wir werden ein wichtiger Teil der Staatenkoalition sein, die Wolodymyr und der Ukraine diese Unterstützung gewährt", sagte der Regierungschef. Das sei aber nicht einfach. "Es geht nicht nur um die Bereitstellung von Flugzeugen, sondern auch um die Ausbildung von Piloten und die gesamte damit verbundene Logistik, und Großbritannien kann dabei eine große Rolle spielen", sagte Sunak.
Die Ukraine wünscht sich moderne Jets für die bevorstehende Offensive zur Rückeroberung der von Russland besetzten Gebiete. Viele Länder lehnen eine Lieferung von Maschinen des Typs F-16 aber bisher ab. Großbritannien kündigte den Aufbau einer Flugschule für ukrainische Piloten an. Damit könnten sie an verschiedenen Flugzeugtypen ausgebildet werden, sagte Sunak. Unmittelbar vor Selenskyjs Ankunft hatte London die Lieferung von Flugabwehrraketen und Kampfdrohnen mit größerer Reichweite angekündigt. Sunak sagte, er habe mit Selenskyj zudem über Sicherheitsvereinbarungen gesprochen. Es gehe um langfristige Absprachen der Verbündeten mit der Ukraine, um sicherzustellen, "dass sie sich verteidigen und eine wirksame Abschreckung gegen künftige russische Aggressionen bieten kann", sagte Sunak.
Der Kreml hat weitere britische Militärhilfen für die Ukraine scharf kritisiert - und gibt sich im Angriffskrieg gegen das Land weiter siegesgewiss. "Das kann den Gang der militärischen Spezialoperation nicht deutlich oder prinzipiell beeinflussen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Freilich werde die Waffenlieferung zu weiteren Zerstörungen in der Ukraine führen, kritisierte er. "Für die Ukraine macht es die Geschichte nur noch weit schwerer. Der Kreml kritisiert diese Waffenlieferungen als Einmischung, die zu einer weiteren Eskalation des Kriegs führe. Einen Rückzug seiner Soldaten aus den besetzten Gebieten der Ukraine lehnt Moskau trotz hoher Verluste ab.
Wegen des für Moskau unbefriedigenden Kriegsverlaufs haben sich zuletzt die Spannungen innerhalb des Militärs verschärft, speziell zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Chef der russischen Söldnereinheit Wagner, Jewgeni Prigoschin. Peskow äußerte sich am Montag daher auch zu Medienberichten, wonach Prigoschin Kiew angeboten habe, Stellungen russischer Soldaten im Tausch für einen Rückzug ukrainischer Truppen aus der umkämpften Stadt Bachmut zu verraten. "Das hört sich nach einer weiteren Ente an", wies Peskow die Spekulationen zurück.
Der Chef der russischen Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, hat den Bericht zurückgewiesen, wonach er angeboten habe, Geheimdienstinformationen über russische Truppenpositionen mit Kiew zu teilen, als Gegenleistung dafür, dass die Ukrainer Gebiete rund um die umkämpfte Stadt Bachmut abtreten. In einer am Montag auf seinem Telegram-Kanal veröffentlichten Audiobotschaft spekulierte Prigozhin, dass die Geschichte von seinen Feinden verbreitet worden sein könnte.
In seiner Botschaft fragte Prigoschin rhetorisch: "Wer steckt dahinter? Ich denke, dass sich entweder einige Journalisten für einen Hype entschieden haben, oder dass Genossen aus Rubljowka nun beschlossen haben, eine schöne, geplante Geschichte zu erfinden." Rubljowka ist der Name eines wohlhabenden Viertels in Moskau an der Autobahn Rubljowo-Uspenskoje, das für seine luxuriösen Wohnsiedlungen und Villen der russischen Elite bekannt ist. Andriy Yusov, ein Vertreter des Verteidigungsgeheimdienstes der Ukraine, lehnte eine Stellungnahme ab, als er am Montag im ukrainischen Fernsehen zum Post-Bericht befragt wurde, und sagte: "Wer würde davon profitieren, jetzt über solche Initiativen zu diskutieren?"
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