Die Einschätzung in den als streng geheim gekennzeichneten Papieren stamme von Anfang Februar und verweise auf "erhebliche Defizite bei der Truppenaufstockung und -Erhaltung". Zudem sei darin die Rede von der Wahrscheinlichkeit, dass die ukrainische Gegenoffensive nur "bescheidene Gebietsgewinne" erzielen könnte. Die Strategie Kiews konzentriere sich laut diesen Dokumenten darauf, umkämpfte Gebiete im Osten zurückzugewinnen und gleichzeitig nach Süden vorzustoßen, um die russische Landbrücke zur besetzten Halbinsel Krim zu kappen.
Die Widerstandskraft der russischen Verteidigungsanlagen und die Mängel bei Ausbildung und Munition auf ukrainischer Seite würden den Fortschritt der Offensive wahrscheinlich erschweren und die Verluste vergrößern, hieß es weiter. Unabhängig von den durchgesickerten Papieren seien US-Geheimdienstberater zu der Einschätzung gelangt, dass der Ausgang der erwarteten ukrainischen Frühjahrsoffensive eher bescheiden sein werde, schrieb die "Washington Post" unter Berufung auf eigene Quellen weiter. Demnach werde nicht erwartet, dass das ukrainische Militär so viele Gebiete zurückgewinnen werden könne wie im vergangenen Herbst im Osten und Süden des Landes.
Die Dokumente deuten auch auf ein drohendes Risiko für die Fähigkeit der Ukraine hin, Truppen und lebenswichtige Standorte vor der russischen Luftwaffe zu schützen. Der ukrainischen Luftverteidigung drohen innerhalb weniger Wochen die Raketen und die Munition auszugehen, wie ein offensichtliches Durchsickern von Pentagon-Dokumenten vom Februar nahelegt. Eines der Dokumente, das auf den 23. Februar datiert und mit "Geheim" gekennzeichnet ist, skizziert im Detail, wie die ukrainischen S-300-Luftverteidigungssysteme aus der Sowjetzeit bei der derzeitigen Nutzungsrate bis zum 2. Mai erschöpft sein würden. Es ist unklar, ob sich die Nutzungsrate seitdem geändert hat.
Seit Wochen kursieren im Internet offensichtlich geheime Dokumente von US-Stellen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. US-Medien berichten seit Tagen über sensibles Material zu beiden Kriegsparteien, ohne die Unterlagen selbst zu veröffentlichen. Unklar ist, wer die schon vor Wochen bei prorussischen Kanälen verbreiteten Dokumente publiziert hat. Die US-Regierung bemüht sich um Aufklärung.
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