
"Kein Versuch der ukrainischen Streitkräfte einer Landeoperation im Raum Cherson hatte Erfolg", behauptete Verteidigungsminister Sergej Schoigu weiter, obwohl geolokalisierte Bilder und Videos den Erfolg der Ukraine bereits bestätigt hatten. Das Institute for the Study of War (ISW) analysierte, dass Schoigus Erklärung wahrscheinlich ein Versuch sei, die Besorgnis einiger russischer Militärblogger über die Unfähigkeit Russlands, ukrainische Angriffe am Ostufer des Dnipro entscheidend abzuwehren, herunterzuspielen, aber sie wird die ständig wachsende Unmut in Russland kaum beruhigen.
Russische Militärblogger bestätigen ebenfalls eine ukrainische Präsenz am östlichen Ufer des Dnipro in der Region Cherson und beklagen, dass die russischen Streitkräfte nicht in der Lage sind, ukrainische Operationen in diesem Gebiet zu unterbinden. Russischen Quellen zufolge halten die ukrainischen Streitkräfte weiterhin Stellungen in Krynky und in der Nähe der Antoniwski-Straßenbrücke sowie der kleinen Eisenbahnbrücke sechs Kilometer östlich der Antoniwski-Brücke. Das britische Verteidigungsministerium berichtet, dass die Kämpfe um Krynky ein geringeres Ausmaß haben als einige große Schlachten des Krieges, diese werden aber von der russischen Führung als äußerst unvorteilhaft angesehen.
Inzwischen hat das ukrainische Militär mindestens drei Brückenköpfe nordöstlich der Stadt Cherson errichtet. Einer befindet sich im Bereich der Stadt Krynky, ein weiterer entlang einer wichtigen Brücke für den Autoverkehr und der dritte südlich einer Eisenbahnbrücke. In den vergangenen Tagen hat Russland die Brücken immer wieder unter Beschuss genommen. Aufnahmen aus der Gegend zeigen auch, dass die Russen unter anderem thermobarische Flammenwerfer vom Typ TOS-1A einsetzen. Die abgefeuerten Vakuumraketen verteilen eine aerosolförmige Substanz, die dann entzündet wird und der Luft den Sauerstoff entzieht. Das dadurch entstehende Vakuum sieht wie eine extrem starke Schockwelle aus, kann Gebäude zerschmettern und tödliche Verletzungen der inneren Organe verursachen. Die ukrainischen Streitkräfte versuchen, mit Drohnen die Flammenwerfer zu zerstören.
Russland hat sich vor einem Jahr vom Westufer des Dnipro-Flusses zurückgezogen, mit ziemlicher Sicherheit mit dem Ziel, die ukrainischen Streitkräfte westlich des Flusses zu halten, den Sektor ruhig zu halten und russische Streitkräfte in anderen Gebieten freizusetzen.