Er rief Russland und die Ukraine dazu auf, die Regeln zu befolgen, um die Freisetzung radioaktiven Materials zu verhindern. Zudem dürfe Saporischschja nicht als Militärbasis genutzt werden oder als Lager für Waffen wie zum Beispiel Panzer oder Artillerie, die von der Anlage aus eingesetzt werden könnten. Auch die externe Stromversorgung sei zu gewährleisten, das Werk müsse vor Sabotageakten geschützt werden. Sämtliche Verstöße würden durch ihn öffentlich gemacht, so Grossi weiter.
Sowohl russische als auch ukrainische Vertreter bei den Vereinten Nationen haben den Plan der UN-Atomaufsichtsbehörden zur Verhinderung einer Katastrophe im ukrainischen Kernkraftwerk Saporischschja nicht voll und ganz unterstützt. Grossi sagte am Dienstag, er sei durch die Unterstützungsbekundungen beider Länder für seine "konkreten Prinzipien" ermutigt worden. Die Sicherheit des größten Atomkraftwerks Europas in der südöstlichen Region Saporischschja der Ukraine gibt Anlass zur Sorge, seit russische Streitkräfte es vor über einem Jahr beschlagnahmt haben.
Das AKW war häufigem Beschuss ausgesetzt und im Vorfeld einer erwarteten Gegenoffensive der Ukraine wuchsen die Befürchtungen, dass es angesichts der zunehmenden militärischen Aktivitäten zu einer Atomkatastrophe kommen könnte. Die sechs Blöcke mit einer Gesamtnettoleistung von 5700 Megawatt sind deswegen heruntergefahren worden und werden nur noch gekühlt. Beobachter gehen davon aus, dass die Befreiung des Kraftwerks eines der Hauptziele der ukrainischen Großoffensive ist.
Zu den erklärten Grundsätzen der IAEO gehört, dass es keine Angriffe auf oder von der Anlage aus geben darf und dass dort keine schweren Waffen untergebracht sein dürfen. Die russischen und ukrainischen Gesandten bei den Vereinten Nationen machten sich gegenseitig für die Krise in Saporischschja verantwortlich, lehnten die von der IAEA vertretenen Grundsätze jedoch nicht gänzlich ab. "Herr Grossis Vorschläge stehen im Einklang mit den Maßnahmen, die wir bereits seit langem umsetzen", sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebenzia ohne Beweise vorzulegen. Der ukrainische Botschafter Sergiy Kyslytsya sagte: "Wir nehmen die Grundsätze des Generaldirektors zur Kenntnis, zur Gewährleistung der nuklearen Sicherheit beizutragen."
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