Prigoschin, der ein Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin ist, hatte die Gesetzesänderung selbst gefordert. Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin griff die Initiative umgehend auf, sprach zunächst sogar von einer möglichen Strafandrohung von bis zu 15 Jahren Haft. Die zweite und entscheidende Lesung sei für diesen Donnerstag geplant, die dritte und formal abschließende am 14. März. Allerdings forderte Wagner-Chef Prigoschin nun in einem Brief an Wolodin, dass doch wenigstens Kommandeure - also er selbst - die Möglichkeit haben sollten, Kritik zu üben. Prigoschin hatte die russische Militärführung immer wieder kritisiert, teils auch beschimpft wegen Fehlern und Niederlagen im Kriegsgebiet Ukraine.
Nun befürchtet Prigoschin, dass er selbst belangt werden könnte. Das Gesetz dürfte sich nicht auf die Verantwortlichen erstrecken, meinte er. "Im anderen Fall kann jede öffentliche und konstruktive Kritik dazu führen, dass man zur Verantwortung gezogen wird", schrieb Prigoschin. Die Änderungen an dem Gesetz sollten dazu führen, dass neben den Soldaten nun auch die freiwilligen Kämpfer, darunter die Wagner-Söldner, besser geschützt seien als bisher.
Mehrere Soldaten des russischen Militärs haben angeboten, sich der privaten Militärfirma Wagner anzuschließen, wie aus einem Video hervorgeht. "Die Situation hier hat zur Auflösung unseres Regiments geführt", sagt ein Soldat im Video, während andere ihn umringen. "Wir bitten darum, dass wir uns Ihren Reihen anschließen dürfen. Wir sind 10 von uns hier, die kampfbereit sind." In einem separaten Video berichtet CNN, dass russische Soldaten aus Irktusk sich weigern zu kämpfen. "Aufgrund der aktuellen Lage befinden wir uns in einer verzweifelten Lage, da sich die Kommandeure nicht um unser Leben kümmern", sagt ein Soldat in dem Video. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin hat das russische Verteidigungsministerium in der vergangenen Woche wiederholt und öffentlich wegen angeblich fehlender Munition des Ministeriums kritisiert.
Menschenrechtler und unabhängige Juristen werfen russischen Angreifern in der Ukraine schwerste Kriegsverbrechen vor. Berichte über solche Taten sind in Russland verboten. Oft werden Bürger schon wegen leiser Kritik an dem russischen Einmarsch nach dem Gesetz belangt, allerdings meistens mit Geldstrafen. Die russische Justiz steht international in der Kritik, Gesetze willkürlich anzuwenden und Vorwürfe zu inszenieren, um Andersdenkende mundtot zu machen.
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