"In den letzten Tagen haben Vertreter des IStGH die Region Cherson besucht", sagte Selenskyj. "Gleich am ersten Tag nach der Katastrophe sandte der Generalstaatsanwalt einen Antrag an die Staatsanwaltschaft des Internationalen Strafgerichtshofs, die Katastrophe zu untersuchen, und die Arbeit hat bereits begonnen." Kiew und Moskau geben sich gegenseitig die Schuld für den Dammbruch, wobei unklar ist, ob der Damm vorsätzlich angegriffen wurde oder ob der Einsturz die Folge eines strukturellen Versagens war. Russland und die Ukraine haben sich auch gegenseitig beschuldigt, bei der Evakuierung von Zivilisten aus den von ihnen kontrollierten Gebieten Bombenangriffe unternommen zu haben – manchmal mit tödlichen Folgen.
"Es ist sehr wichtig, dass die Vertreter der internationalen Justiz die Folgen dieses russischen Terrorakts mit eigenen Augen gesehen und selbst gehört haben, dass der russische Terror anhält", sagte Selenskyj. "Und es geht weiter mit dem zynischem Beschuss des überschwemmten Gebietes, des Evakuierungsgebiets." Der ukrainische Präsident sagte, seine Regierung erleichtere die Ermittlungen des IStGH, indem sie "vollen Zugang zu den betroffenen Gebieten, zu Zeugen, zu allen Informationen und Beweisen" gewähre.
Selenskyj sagte auch, seine Regierung habe bei der Evakuierung von 4.000 Menschen aus überschwemmten Gebieten in der Südukraine geholfen, "wobei die Situation immer noch im vorübergehend besetzten Teil der Region Cherson am schlimmsten ist". Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS berichtete unterdessen, dass die russischen Rettungsdienste etwa 7.000 Menschen aus den von ihr kontrollierten Gebieten evakuiert hätten. Mindestens 14 Menschen seien bei den Überschwemmungen ums Leben gekommen, teilten ukrainische Beamte am Sonntag mit. In der östlichen Region Dnipropetrowsk, die oberhalb des zerstörten Damms liegt, seien fast 162.000 Menschen ohne Wasser.
Im von Russland besetzten überschwemmten Gebiet seien in der Stadt Oleschky mindestens acht Menschen gestorben, sagte Oleksandr Prokudin, Chef der Militärverwaltung der Region Cherson, am Sonntag gegenüber ukrainischen Medien. Prokudin warf den von Russland eingesetzten Behörden vor, die Evakuierung vom Ostufer des Flusses zu behindern, "indem sie Kontrollpunkte errichteten und Menschen nicht rausließen". Er sagte, dass nur Personen durchgelassen würden, die ihre ukrainischen Pässe gegen russische getauscht haben.
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