"Unsere potenziellen Gegner sollten das nicht unterschätzen", betonte Medwedew ausdrücklich mit Blick etwa auf Sichtweisen im Westen, dass Russland nur drohe, bluffe und nicht ernsthaft bereit sei, in der Konfrontation mit der Nato und dem Westen um die Ukraine Atomwaffen einzusetzen. "Westliche Analysten und die westlichen Befehlsstrukturen, die militärische und die politische Führung sollten einfach unsere Regeln und unsere Absichten bewerten." Der Politiker malte vor seinem Publikum die zerstörerische Wucht von Atombomben aus.
Der Ex-Kremlchef hatte sich im Laufe des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine immer wieder mit Atomdrohungen hervorgetan. Er zeigte sich erneut sicher, dass Russland den Krieg gewinnen und die Ukraine zerschlagen werde. Die Rüstungsindustrie laufe auf Hochtouren und stelle ausreichend Panzer, Artilleriegeschosse und Raketen her. Medwedew behauptete einmal mehr, dass sich Polen, Ungarn und Rumänien Gebiete der benachbarten Ukraine einverleiben wollten. Dafür gibt es keinerlei Belege.
Der 57-Jährige sagte auch, dass sich Russland in einem nicht offiziell erklärten Krieg mit dem Westen sehe. Die Atomwaffen seien nicht nur Schutz, sie seien auch die Sicherheit vor einer von den USA beabsichtigten Zerstückelung Russlands in Einzelstaaten. Medwedew sieht den Planeten zudem am Rande eines Dritten Weltkrieges. "Was der letzte Tropfen sein wird, was ihn triggert, kann ich nicht sagen. Aber in einem bestimmten Moment kann es passieren", sagte er.
UN-Generalsekretär António Guterres warnte den UN-Sicherheitsrat bei seiner Sitzung am Montag unter Leitung des russischen Außenminister Sergej Lawrow, dass die globale Zusammenarbeit seit der Gründung der Vereinten Nationen den größten Belastungen ausgesetzt sei 1945 auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Die Spannungen zwischen den Großmächten seien auf einem "historischen Höchststand", ebenso wie die Konfliktrisiken "durch Missgeschick oder Fehleinschätzung", sagte er und verwies vor allem auf den Krieg in der Ukraine.
Lawrow reagierte, indem er die Militäraktion seines Landes verteidigte und die USA und ihre Verbündeten beschuldigte, die globale Diplomatie, die Grundlage der Vereinten Nationen, die geschaffen wurde, um einen dritten Weltkrieg zu verhindern, zu untergraben. "Die Welt steht jetzt an einem historischen Scheideweg", sagte Chinas UN-Botschafter Zhang Jun dem Rat. "Die Menschheit steht vor beispiellosen globalen Herausforderungen. Akte der Hegemonie und Mobbing fügen der Welt kolossalen Schaden zu. Die Politik schafft riesige Spaltungen und Konfrontationen. Umso dringlicher und wichtiger ist es geworden, die UN-Charta einzuhalten."
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