Ein Teil der Prämisse Russlands für seine Invasion in der Ukraine bestand darin, die Expansion der NATO in der Nähe ihrer Grenzen zu verhindern. Und Medwedew sagte, Moskau sei bereit, den aktuellen Konflikt bewusst zu einem Dauerkonflikt zu machen, denn "das ist eine Frage der Existenz Russlands". Die Frage der Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO ist eines von mehreren Themen, mit denen sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen am 11. und 12. Juli in der litauischen Hauptstadt Vilnius befassen werden.
Das Thema wird sich als einer der größten Krisenherde für die Gruppe erweisen, die es trotz der unprovozierten Invasion Russlands geschafft hat, bemerkenswert geeint zu bleiben. Einige Verbündete, insbesondere einige osteuropäische Staaten, die näher an der Ukraine und Russland liegen, haben sich für einen konkreteren Weg für den Beitritt Kiews zum Verteidigungsbündnis nach Kriegsende ausgesprochen. Andere europäische Staatschefs, insbesondere in West- und Südeuropa, argumentierten, ein beschleunigter Beitritt der Ukraine zur NATO könne zu provokativ sein und ein äußerst riskantes Wagnis für das Bündnis darstellen, selbst wenn die Kämpfe beendet würden, insbesondere wenn Russland weiterhin Anspruch auf ukrainisches Territorium erhebt.
Unterdessen hat Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu in seiner ersten Stellungnahme nach der erfolglosen Revolte der Wagner-Söldner die Treue und Einsatzbereitschaft der regulären Truppen gelobt. "Die Provokation hatte keine Auswirkungen auf die Handlungen der Streitkräftegruppierung in der Ukraine", sagte Schoigu am Montag bei einer Sitzung im Ministerium. Die Soldaten an der Front hätten weiterhin ihre Aufgaben erledigt. "Insgesamt hat der Feind in keiner Angriffsrichtung sein Ziel erreicht", sagte er.
Schoigu nannte in seiner Rede weder den Söldnerführer Jewgeni Prigoschin noch die ihm unterstellte Wagner-Truppe namentlich als Verantwortliche für den Aufstand. Stattdessen sprach er von einem Versuch, die Lage in Russland zu destabilisieren. "Diese Pläne sind vor allem daran gescheitert, dass die Angehörigen der Streitkräfte ihrem Eid und ihrer Dienstpflicht treu geblieben sind", so der 68-Jährige.
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