Verantwortlich für die Ausführung machte Moskau die Ukraine. Das Nachbarland, das sich seit mehr als 14 Monaten gegen eine russische Invasion verteidigt, wies diese Anschuldigung allerdings umgehend zurück. Auch internationale Militärexperten halten es für wahrscheinlich, dass der Vorfall vom Kreml selbst inszeniert sein könnte, um weitere Kriegshandlungen zu rechtfertigen.
Putin werde den Vorfall höchstwahrscheinlich an diesem Freitag bei einer planmäßigen Sitzung des nationalen Sicherheitsrats besprechen, sagte Kremlsprecher Peskow. Mit Blick auf vom Kreml bereits angekündigte Vergeltungsmaßnahmen sagte er lediglich, es werde sich um "durchdachte, ausgewogene Schritte" handeln, "die den Interessen unseres Landes entsprechen". Zugleich betonte Peskow, die traditionelle Militärparade zur Erinnerung an den sowjetischen Sieg über Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg werde am kommenden Dienstag ungeachtet der jüngsten Geschehnisse auf dem Roten Platz stattfinden. "Wie gewohnt wird der Präsident auftreten." Es würden aber nun zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen.
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell zeigte sich besorgt nach dem angeblichen Drohnenangriff auf Kremlchef Wladimir Putin. "Was uns Sorgen macht, ist, dass dies als Rechtfertigung für weitere Angriffe auf die Ukraine genutzt werden kann", sagte Borrell am Donnerstag am Rande eines Treffens der EU-Entwicklungsminister in Brüssel. "Wir fordern Russland auf, diesen angeblichen Angriff nicht als Vorwand für eine weitere Eskalation des Krieges zu nutzen." An die EU-Staaten gerichtet sagte Borrell, das Wichtigste sei nun, die Ukraine weiterhin militärisch, politisch und wirtschaftlich zu unterstützen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies die Vorwürfe zurück und sagte, der Kreml habe sich das ausgedacht. Seine Armee greife weder Moskau noch Putin an.
Auch Mykhailo Podolyak, Berater des Büroleiters des Präsidenten Selenskyj, hatte entschieden auf die Behauptung Russlands reagiert, dass "der Kreml diese Aktionen als einen geplanten Terrorakt und ein Attentatsversuch auf den Präsidenten" über den gemeldeten Drohnenangriff bewertet habe. In einem Tweet warnte Podolyak davor, dass das Ereignis als Vorwand für "einen groß angelegten Terroranschlag" benutzt werde. Er schrieb: "Was die Drohnen über dem Kreml betrifft. Es ist alles vorhersehbar … Russland bereitet eindeutig einen großangelegten Terroranschlag vor. Deshalb nimmt sie zunächst eine große mutmaßlich subversive Gruppe auf der Krim fest. Und dann demonstriert sie "Drohnen über dem Kreml"."
"Erstens führt die Ukraine einen ausschließlich defensiven Krieg und greift keine Ziele auf dem Territorium der Russischen Föderation an. Wozu? Dies löst kein militärisches Problem. Aber es gibt der Russischen Föderation Gründe, ihre Angriffe auf Zivilisten zu rechtfertigen … Zweitens beobachten wir mit Interesse die wachsende Zahl von Pannen und Zwischenfällen, die sich in verschiedenen Teilen der Russischen Föderation ereignen. Das Auftauchen von nicht identifizierten unbemannten Luftfahrzeugen in Energieanlagen oder auf dem Territorium des Kremls kann nur auf die Guerilla-Aktivitäten lokaler Widerstandskräfte hinweisen. Wie Sie wissen, können Drohnen in jedem Militärgeschäft gekauft werden …"
"Der Verlust der Machtkontrolle über das Land durch Putins Clan ist offensichtlich. Aber auf der anderen Seite hat Russland wiederholt von seiner totalen Kontrolle über die Luft gesprochen. Mit einem Wort, es passiert etwas in der Russischen Föderation, aber definitiv ohne die ukrainischen Drohnen über dem Kreml."
Die US-Regierung hat den Vorwurf Russlands, hinter dem angeblichen Drohnen-Anschlag auf den Kreml zu stecken, als "lächerlich" zurückgewiesen. "Die Vereinigten Staaten hatten nichts damit zu tun. Wir wissen nicht einmal genau, was hier passiert ist", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Donnerstag im US-Fernsehen. Mit Blick auf Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte Kirby: "Herr Peskow lügt."
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