Das Verfahren gegen ihn steht als politische Inszenierung in der Kritik. Staatliche Medien hatten unter Berufung auf Ermittlerkreise behauptet, Kara-Mursa habe gegen eine Bezahlung von rund 30.000 Euro pro Monat Organisationen aus Nato-Ländern geholfen, Russlands nationale Sicherheit zu unterhöhlen. Zweimal hat der prominente Putin-Gegner rätselhafte Vergiftungen nur knapp überlebt. Recherchen der Investigativgruppe Bellingcat zufolge wurde Kara-Mursa von denselben Agenten des Inlandsgeheimdienstes FSB verfolgt, die auch in den Giftanschlag auf den Oppositionellen Alexej Nawalny verwickelt sein sollen.
Der Politiker Kara-Mursa war im vergangenen Jahr mit dem prestigeträchtigen Vaclav-Havel-Preis des Europarats ausgezeichnet worden. Es erfordere unglaublichen Mut, sich im heutigen Russland gegen die Obrigkeit zu stellen, sagte der Präsident der Parlamentarischen Versammlung, Tiny Kox, im Oktober. Kara-Mursas Frau nahm den Menschenrechtspreis entgegen. Sie las ein Statement von ihm vor, wonach er den Gewinn all denjenigen widme, die sich in Russland gegen den Ukraine-Krieg auflehnten.
Mit dem Vaclav-Havel-Preis zeichnet die Parlamentarische Versammlung des Europarats seit 2013 Engagement für die Menschenrechte aus. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert und nach dem verstorbenen Bürgerrechtler und früheren Präsidenten der Tschechischen Republik benannt.
Evan Gershkovich, der in Russland wegen Spionagevorwürfen festgenommene Reporter des Wall Street Journal, wurde vom US National Press Club mit der höchsten Auszeichnung für Pressefreiheit ausgezeichnet. Gershkovich, 31, wurde am Donnerstag in Jekaterinburg, der viertgrößten Stadt Russlands, festgenommen. Er ist der erste US-Korrespondent seit dem Kalten Krieg, der wegen Spionagevorwürfen festgenommen wurde. Das Journal hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Der National Press Club ernannte Gershkovich zu seinem John Aubochon Honoree für 2023. In einer Erklärung forderte die Organisation seine Freilassung.
"Der Journalist Evan Gershkovich war engagiert und mutig, als er in einer Zeit dramatisch erhöhter Gefahr für Journalisten aus Russland berichtete. In einem Umfeld voller Risiken hat er konsequent ehrliche, mutige und aufschlussreiche Berichterstattung geliefert. Evans Journalismus ist der Grund für seine ungerechtfertigte Inhaftierung durch russische Sicherheitskräfte. Journalismus ist kein Verbrechen und Evan sollte nicht für seinen Beruf inhaftiert werden – er sollte dafür geehrt werden. Wir fordern die sofortige und bedingungslose Freilassung von Evan."
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