Pidlisnyi sagte, er glaube, die Russen hätten den Damm absichtlich gesprengt, um die Pläne der ukrainischen Streitkräfte für eine bevorstehende Offensive zu durchkreuzen. "Gegen 3 Uhr morgens sprengte der Feind das Wasserkraftwerk Kachowka, um den Wasserspiegel zu erhöhen um die Zufahrten und das linke Ufer des Flusses Dnipro sowie die dort befindlichen Siedlungen zu überfluten, um es den ukrainischen Streitkräften in Zukunft unmöglich zu machen, voranzukommen". Pidlisnyi erklärte, dass die Lage des Landes rund um den Fluss dazu geführt habe, dass das am Ostufer stationierte russische Militär durch den Dammbruch schwere Verluste erlitten habe. Seine Einheit konnte die Ereignisse durch den Einsatz von Drohnen und Truppen vor Ort beobachten.
"Das linke Ost-Ufer liegt niedriger als das rechte Ufer und ist daher stärker überschwemmt. Auch die feindlichen Stellungen direkt am Flussufer wurden überflutet. "Man muss verstehen, dass es sich bei den Stellungen des Feindes nicht nur um Schützengräben, sondern auch um gewöhnliche Zivilhäuser handelt, in denen sie lebten", sagte Pidlisnyi. Die russischen Einheiten seien möglicherweise nicht gewarnt worden, möglicherweise um den Überraschungseffekt aufrechtzuerhalten, sagte Pidlisnyi.
Die ukrainische Regierung hat Pidlisnyis Behauptung wiederholt, Russland habe den Damm absichtlich gesprengt, während der Kreml sagte, es seien Kiews Streitkräfte gewesen, die den Angriff verübt hätten. Tatsächlich liegen bislang noch keine Beweise vor, die die Behauptung beider Seiten schlüssig untermauern würden. Die Analyse von Videos des Staudamms und seines anschließenden Bruchs sowie insbesondere die Untersuchung von Satellitenbildern deuten darauf hin, dass der Einsturz das Ergebnis eines strukturellen Versagens sein könnte.
Der Staudamm und Stausee Kachowka, einer der größten der Welt und von entscheidender Bedeutung für die Trinkwasserversorgung und Bewässerung eines riesigen Gebiets in der Südukraine, liegt in einem Teil der Region Cherson, die seit einem Jahr von den Streitkräften des Kremls besetzt ist. Der Fluss Dnjepr trennt dort die Kriegsparteien. Der Einsturz des Staudamms hat Ängste vor einer ökologischen Katastrophe geweckt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beschrieb die Situation als "eine Umweltbombe der Massenvernichtung".
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