Diese Botschaft könnte zudem bei den vielen Russen, die unmittelbare Einblicke in die scheiternde Operation in der Ukraine haben, zunehmend auf Unbehagen stoßen. Als Zeichen für diese Entwicklung sehen die Briten auch die Absage mehrerer Militärparaden in russischen Grenzregionen nahe der Ukraine und auf der annektierten Halbinsel Krim am 9. Mai. Die Absagen hätten offiziellen Angaben zufolge auch mit Sicherheitsbedenken zu tun, hieß es aus London.
Zudem deuten neue geheime US-Geheimdienstdokumente auf weitreichende Machtkämpfe zwischen russischen Beamten hin, darunter einige innerhalb des Bundessicherheitsdienstes (FSB) und des Verteidigungsministeriums, berichtete die New York Times am Donnerstag. Die New York Times sagte, sie habe die neuen 27-seitigen Dokumente mehreren US-Beamten gezeigt, die die Informationen nicht bestritten, aber "die Dokumente nicht unabhängig überprüfen konnten und wollten".
Die neuen Dokumente weisen auch darauf hin, dass der russische Präsident Wladimir Putin Verteidigungsminister Sergej Schoigu und den Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, zu einem Treffen einberufen hat, von dem angenommen wird, dass es am 22. Februar stattgefunden hat, um wahrscheinlich einen öffentlichen Streit über Munitionslieferungen beizulegen, berichtet die New York Times. Prigoschin hatte Russlands Verteidigungsinstitutionen vorgeworfen, "große Probleme" mit der Munitionsversorgung seiner Truppen zu schaffen. Er ging so weit, der Führung des russischen Verteidigungsministeriums "Verrat" vorzuwerfen, weil sie der Gruppe-Wagner keine Munition beschafft und "auch nicht beim Lufttransport geholfen" habe. rigozhin sagte in einer Sprachnotiz, die auf seinem Telegram-Kanal veröffentlicht wurde, dass eine Munitionslieferung nun auf dem Weg zu seinen Kämpfern sei.
Der New York Times-Bericht besagt, dass die Dokumente die US-Überwachung des russischen Geheimdienstes, des russischen Apparats und des Militärkommandos detailliert beschreiben. Der ursprüngliche Stapel hochgradig geheimer Pentagon-Dokumente, die in den letzten Wochen online durchgesickert sind, enthüllte auch das Ausmaß, in dem die USA in das russische Verteidigungsministerium und die Wagner-Gruppe eingedrungen sind.
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