In Nowaja Tawolschanka nahe der Stadt Schebekin könnten die noch verbliebenen 100 Menschen nicht gerettet werden, weil dort geschossen werde, sagte Gladkow in einem Video. Das Verteidigungsministerium in Moskau spricht von "Terroristen" und "Saboteuren", die von ukrainischer Seite mit Artillerie feuerten und teils auch eingedrungen seien in russisches Staatsgebiet. Das Ministerium hatte vorige Woche mitgeteilt, mehr als 120 Kämpfer und Militärtechnik "vernichtet" zu haben. Aus Moskau gab es zunächst keine Reaktion zur Lage in Nowaja Tawolschanka.
Die Kämpfer des Freiwilligenkorps, das aus russischen Nationalisten besteht, bot in dem bei Telegram veröffentlichten Video auch an, mit Vertretern des Machtapparats in Moskau zu sprechen, weil Gouverneur Gladkow selbst ohne Einfluss auf die Situation sei. Das RDK kämpft nach eigenen Angaben für ein freies Russland. Die ukrainische Führung hatte zurückgewiesen, etwas direkt mit den Angriffen auf die russische Region zu tun zu haben. Im Gebiet Belgorod gab es durch das Feuer von ukrainischer Seite bereits mehrere Tote und Verletzte unter Zivilisten. Russland hatte seinen Krieg gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 auch vom Gebiet Belgorod aus begonnen.
Die ukrainische Armee führt unterdessen in der Region um die von russischen Truppen besetzte Stadt Bachmut nach Angaben aus Kiew mehrere Offensivhandlungen. Die ukrainische Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar teilte am Montag in ihrem Telegram-Kanal mit, dass Bachmut der zentrale Schauplatz der aktuellen Kämpfe sei. Demnach rückten - wie in den vergangenen Tagen auch - die ukrainischen Streitkräfte dort entlang einer breiten Front weiter vor. Sie hätten einige strategisch wichtige Höhen eingenommen. Die russischen Streitkräfte sind laut Maljar in der Defensive. Nach Darstellung Maljars gibt es auch im Süden des Landes lokale Kämpfe. Dort seien die feindlichen Streitkräfte ebenfalls zur Verteidigung übergegangen. Russische Angaben gab es dazu zunächst nicht.
Um die ostukrainische Stadt Bachmut war monatelang verlustreich gekämpft worden. Ursprünglich hatte sie 70 000 Einwohner. Die russische Privatarmee Wagner hatte Bachmut eingenommen und kürzlich ihren Abzug erklärt, um die Stadt komplett der Kontrolle der regulären Moskauer Streitkräfte zu überlassen. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin, der die russische Militärführung als "unfähig" bezeichnet, räumte am Wochenende ein, dass die Ukrainer wieder Stellungen in Bachmut eingenommen hätten.
Die Ukraine verteidigt sich seit dem 24. Februar 2022 gegen den Angriff Russlands. Derzeit gibt es viele Spekulationen rund um eine erwartete große Gegenoffensive, auf die sich die Ukraine seit längerem vorbereitet. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges wehrt sich die Ukraine auch mit größeren Gegenangriffen gegen die russischen Angreifer und Besatzer.
dp/fa
