Die Ukraine warnt immer wieder vor einem angeblich von Russland vorbereiteten Terroranschlag auf das AKW. Moskau hatte am Dienstag wiederum Kiew vorgeworfen, das Atomkraftwerk mit Raketen und Kamikazedrohnen angreifen zu wollen, um einen atomaren Unfall zu verursachen.
Die Ukraine hätte einem deutschen Experten zufolge nicht die militärischen Fähigkeiten, das russisch besetzte Atomkraftwerk Saporischschja von außen zu sprengen. Angesichts gegenseitiger Anschuldigungen der Kriegsparteien in Bezug auf das Kraftwerk im Süden der Ukraine sagte Carlo Masala, Politikwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr München, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur, eine solche "Sprengung ist extrem kompliziert". Russland hingegen könnte mit einer Sprengung an dem von Moskaus Truppen kontrollierten AKW "Chaos stiften", sagte er.
"Ein AKW von Außen zu sprengen ist extrem schwierig und dazu haben die Ukrainer nicht die Kapazitäten", sagte Masala. "Wenn sie die hätten, bräuchten sie so lange, dass sie leichte Opfer für die russische Luftabwehr wären", fügte er hinzu. Die Anschuldigungen von russischer Seite seien daher sehr unrealistisch.
Russland behauptet, die ukrainischen Streitkräfte wollten das nahe der Front gelegene AKW mit Raketen und Drohnen angreifen. Der ukrainische Generalstab wiederum sprach zuletzt von Sprengkörpern auf dem Dach des Kraftwerks, deren Explosion den Eindruck eines Beschusses wecken solle. International ist die Sorge vor einer Atomkatastrophe groß - auch wenn das Kraftwerk, das größte seiner Art in Europa, inzwischen in den Kaltbetrieb versetzt wurde.
Zu möglichen Motiven einer Sabotage des Kraftwerks durch Moskau sagte Masala: "Es ist wie mit der Sprengung des Staudamms. Politik der verbrannten Erde - das ist die Logik dahinter." Im Juni wurde der Kachowka-Staudamm in der Südukraine zerstört, Experten gingen von einer Sprengung durch russische Kräfte aus. Wie wahrscheinlich eine Sprengung des Atomkraftwerks sei, könne keiner sagen, so der Experte. "Es ist nur auffällig, dass, wenn die Russische Föderation anfängt, die Ukrainer und den Westen zu beschuldigen, irgendwelche Anschläge zu planen, dies meistens die Vorbereitung für eigene Aktionen ist." Daraus könne jedoch nicht abgeleitet werden, dass eine Sprengung von Saporischschja unmittelbar bevorsteht, schränkte er ein.
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