Im vergangenen November hatten die russischen Truppen die Gebiete nördlich des Dnipro einschließlich Chersons geräumt und mehrere Brücken gesprengt. Seitdem gibt es regelmäßig Gefechte zwischen ukrainischen und russischen Truppen auf den Inseln im Unterlauf des Flusses. Vor mehreren Tagen wurde von kleineren Landungsoperationen ukrainischer Soldaten am russisch kontrollierten Südufer berichtet. Das nährte Gerüchte, dass die ukrainische Armee im Rahmen ihrer angekündigten Frühjahrsoffensive auch Vorstöße über den Dnipro unternehmen könnte.
Das ukrainische Militär hat behauptet, dass es "beeindruckende Ergebnisse" gegen russische Streitkräfte am Ostufer des Flusses Dnipro in Cherson erzielt. "In den letzten drei Tagen haben wir ziemlich beeindruckende Ergebnisse unserer Kampfarbeit", sagte die Sprecherin des Südkommandos der Ukraine in einer landesweiten Sendung. "Wir haben es geschafft, Artilleriegeschütze, Panzer, Fahrzeuge, gepanzerte Fahrzeuge und feindliche Luftverteidigungssysteme zu treffen und zu zerstören", sagte Natalia Humeniuk.
"Mit anderen Worten, unsere Arbeit an der Räumung der Frontlinie des Ostufers ist ziemlich kraftvoll, aber wir arbeiten immer noch im Abwehrmodus." Humeniuk deutete an, dass weitere Entwicklungen in naher Zukunft zu erwarten seien. Sie fuhr fort, dass die russischen Evakuierungen von den Ufern des Dnipro auch ukrainische Operationen erleichterten. "Die russischen Truppen räumen auch das Territorium der lokalen Bevölkerung, was unsere Arbeit viel einfacher macht, weil sie versuchen, die Einheimischen dorthin zu evakuieren, wohin sie ihre Einheiten verlegen und an neue Orte ziehen", sagte sie. "Daher ist es für uns sicherer, unsere Arbeit an Kampfstellungen durchzuführen, wo sie sich nicht mehr hinter den Einheimischen verstecken."
Die russischen Besatzungstruppen in der Ukraine bereiten sich nach Einschätzung britischer Geheimdienstexperten auch auf Kämpfe um das Atomkraft Saporischschja vor. Auf Satellitenbildern sei zu sehen, dass auf den Dächern der Reaktoren teilweise Verteidigungsstellungen mit Sandsäcken geschaffen wurden, hieß es am Donnerstag im täglichen Geheimdienst-Update des Verteidigungsministeriums in London.
"Russland hat diese Stellungen wahrscheinlich errichtet, weil es zunehmend besorgt ist über die Aussicht auf eine große ukrainische Offensive", hieß es in der Mitteilung. Der Schritt erhöhe das Risiko von Schäden an dem Sicherheitssystem des Atomkraftwerks, sollten dort Kämpfe stattfinden. Katastrophale Schäden an den Reaktoren seien aber in den meisten plausiblen Szenarien mit Infanterie-Waffen unwahrscheinlich, da die Gebäudestrukturen sehr gut bewehrt seien.
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