Am Montag hatte US-Botschafterin Lynne Tracy den Reporter erstmals seit der Festnahme Ende März im berüchtigten Lefortowo-Gefängnis in Moskau besucht. "Er fühlt sich gut und bleibt stark", teilte die Diplomatin auf dem Botschafts-Twitter-Kanal mit. Gleichzeitig bekräftigte sie die Forderung nach "sofortiger Freilassung" des Journalisten. Der Korrespondent wurde Ende März in der Millionenstadt Jekaterinburg im Ural vom russischen Geheimdienst FSB festgenommen. Laut FSB soll er geheime Informationen für US-Stellen gesammelt haben. Die US-Zeitung hatte dies zurückgewiesen und betont, dass Gershkovich mit seiner Akkreditierung des russischen Außenministeriums seiner journalistischen Arbeit nachgegangen sei.
Mehr als 40 Länder, angeführt von den USA, haben am Montag vor den Vereinten Nationen eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie die Freilassung von Gershkovich fordern und Moskau für die Einschüchterung der Medien verurteilen. Seine Festnahme ist das erste Mal seit der Sowjetzeit, dass Moskau einen US-Journalisten der Spionage bezichtigt. Reporter ohne Grenzen sagte, Herr Gershkovich habe über die russische Söldnergruppe Wagner in Jekaterinburg, etwa 1.600 km östlich von Moskau, berichtet. Laut einem Bericht der James Foley Legacy Foundation wurden im Jahr 2022 mindestens 65 Amerikaner zu Unrecht im Ausland festgehalten.
US-Politiker – Präsident Joe Biden und sowohl republikanische als auch demokratische Senatoren – haben seine Inhaftierung verurteilt. Sein Fall wird nun vom US-Sonderbeauftragten für Geiselnahmen bearbeitet. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann mit russischen Wurzeln bis zu 20 Jahre Haft. Der Fall belastet die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Washington und Moskau weiter. Moskau allerdings beharrt auf Gershkovichs Schuld. Er sei beim Spionieren im Auftrag der US-Regierung auf "frischer Tat ertappt" worden, behauptete Kremlsprecher Dmitri Peskow. Das Weiße Haus weist diese durch nichts belegten Vorwürfe zurück.
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