Es gab keinen offiziellen Kommentar vom militärischen Oberkommando der Ukraine, aber die Berichte deuten darauf hin, dass ukrainische Einheiten nach der Sabotage am Kakhovka-Staudamm Anfang dieses Monats neue Schwächen in Russlands Verteidigungsposition ausnutzen wollen. Die Explosion, die Moskau nach Angaben Kiews und westlicher Regierungen verübt hat, hat russische Frontstellungen weggespült. Russische Truppen sind kürzlich vom linken Ufer der Provinz Cherson in die Region Saporischschja verlegt worden, wohin auch die Ukraine vordringen will. "In der letzten Woche hat die feindliche Aktivität am Dnipro im Bereich der Antoniwskyj-Brücke ungewöhnlich zugenommen", postete der russische Militärblogger Sasha Kot. Er fügte hinzu: "Heute müssen wir feststellen, dass sich die Ukraine am linken Ufer verschanzt hat und versucht, ihre Stellung auszubauen."
Pro-Kreml-Blogger sagten, ukrainische Truppen hätten "vollständige Kontrolle" über mehrere Sommerhäuser in der Nähe von Oleskhy, der besetzten Stadt am linken Flussufer, die Anfang des Monats von schweren Überschwemmungen heimgesucht wurde. Andere Böschungsbereiche befänden sich in einer sich entwickelnden "Grauzone", fügten sie hinzu. Die Explosion des Wasserkraftwerksdamms hat die Überquerung des Flusses Dnipro erleichtert, nachdem der Wasserspiegel gesunken war und eine sandige Ebene zurückgelassen hatte. Es ist unklar, ob die ukrainischen Streitkräfte weiter vorrücken können. Belagerte russische Truppen forderten Artillerie- und Luftfahrtunterstützung, sagten Blogger.
Drei Wochen nach der Zerstörung des südukrainischen Kachowka-Staudamms ist der Wasserstand im umkämpften Gebiet Cherson teils wieder normal. Nahe der gleichnamigen Regionshauptstadt Cherson betrug der Stand des Dnipro am Montagvormittag 33 Zentimeter, wie der ukrainische Krisenstab auf Telegram mitteilte. Dies entspräche den dortigen Messwerten vor der Damm-Zerstörung. Zugleich ist der Kachowka-Stausee nach Angaben der ukrainischen Rettungskräfte ausgetrocknet. Der Dnipro - der drittlängste Fluss Europas - ist demnach an manchen Stellen flussabwärts vom zerstörten Damm nur noch ein Bach. Die ukrainische Wasserbehörde Ukrhydroenerho kündigte an, nach der kompletten Befreiung der Region dort schnell temporäre Damm-Konstrukte zu bauen. Mehrere Regionen des Landes sollen dadurch mit Wasser versorgt werden.
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