Nach Darstellung Prigoschins haben die Wagner-Kämpfer Bachmut blockiert, nun versuchten wiederum die ukrainischen Soldaten, die russischen Einheiten einzukesseln und die Blockade aufzulösen. "Die ukrainischen Streitkräfte werden um Artjomowsk (russische Bezeichnung für Bachmut) bis zum Ende kämpfen, das ist offensichtlich. Wir sollten unsere Arbeit auch bis zum Ende machen", so Prigoschin. Er verlangte erneut mehr Munition von der russischen Militärführung. Dass die Ukraine die schwer umkämpfte Stadt Bachmut weiter verteidige, schwäche die Streitkräfte auf beiden Seiten, hieß es von den Briten. Am Wochenende hätten die Ukrainer mutmaßlich ihre Verteidigungslinie stabilisieren können, nachdem die russischen Truppen zuvor in den Norden der Stadt eingedrungen waren. Die Versorgung werde hingegen immer schwieriger, weil wichtige Zufahrtswege zerstört seien und die Ukrainer für Nachschub zunehmend auf schlammige, unbefestigte Wege ausweichen müssten.
Wegen Personalmangels lockert die russische Söldnertruppe Wagner laut einem Medienbericht die Aufnahmebedingungen und lässt Männer mit psychischen Vorerkrankungen zum Dienst zu. Die Söldnertruppe werbe damit, dass nun keine psychiatrischen und ärztlichen Atteste mehr für die Einstellung nötig seien, berichtete die unabhängige Internetzeitung "Moscow Times". Laut dem Bericht ist Wagner inzwischen sogar bereit, Männer anzuheuern, die in einer Nervenheilanstalt behandelt wurden. Zuvor hatte die Einheit monatelang russische Strafgefangene in Gefängnissen rekrutiert.
Ein Korrespondent der "Moscow Times" habe bei Wagner angerufen und sich als Freiwilliger ausgegeben. Auf die Frage, ob es kein Problem sei, dass er wegen eines Nervenzusammenbruchs behandelt worden sei, habe der Anwerber ihm nur geraten, seinen Zustand selbst einzuschätzen. Wenn alles normal sei, sei er herzlich willkommen. Laut den eigenen Vorschriften nimmt die Wagner-Truppe keine Schwer- und Hepathitiskranken und keine Drogenabhängigen auf. Doch die Überprüfung beschränkt sich dem Bericht nach auf einen Expresstest mit Blut- und Urinabgabe für einen eventuellen Drogennachweis.
Zur Auffüllung des Kaders rekrutierte Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin monatelang in russischen Gefängnissen vor allem Schwerverbrecher für die Truppe mit dem Versprechen einer Begnadigung nach einem Halbjahresdienst. Bis zu 50.000 Strafgefangene soll Wagner an die Front geschickt haben. Allerdings gab es zuletzt Probleme mit der Neurekrutierung: Einerseits gibt es seit Bekanntwerden der hohen Opferzahlen weniger Freiwillige, die sich für ein solches Himmelfahrtskommando melden, andererseits klagte Prigoschin zuletzt öffentlich darüber, dass das russische Verteidigungsministerium ihm den Zugang zu den Gefängnissen versperrt habe.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, er habe die Verstärkung von Stellungen in der Stadt Bachmut angeordnet und erklärt, es gebe keinen Teil der Ukraine, der aufgegeben werden könne. Der Selenskyj sagte, er habe die Entscheidung nach Rücksprache mit dem Militär getroffen. "Ich habe dem Stabschef gesagt, er soll die geeigneten Kräfte finden, um den Jungs in Bachmut zu helfen. Es gibt keinen solchen Teil der Ukraine, der aufgegeben werden kann", sagte Selenskyj. "Es gibt keinen ukrainischen Schützengraben, in dem die Widerstandskraft und der Heldenmut unserer Soldaten nicht wertvoll wären. Selenskyj schien auch Gerüchte über einen ukrainischen Rückzug aus der östlichen Stadt anzusprechen und bezeichnete diese als "Desinformationsbotschaften", die von denen stammten, die keinen Zugang zu den vertraulichen Briefings zur Entscheidungsfindung hatten, in denen eine solche Entscheidung getroffen werden müsste.
Selenskyj sagte, die Ukraine werde jeden Zentimeter ihres Landes verteidigen. "Wir verteidigen jeden Teil der Ukraine und werden dies auch weiterhin tun", sagte er. "Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir jede Stadt und jedes Dorf in unserem Land befreien. Und wir werden die Antwort für jeden Schuss auf die Ukraine, für jede abscheuliche Tat gegen die Ukrainer geben."
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