Medien berichteten, er habe anschließend Probleme mit seiner Waffe gehabt. Das verhinderte womöglich weitere Schüsse - und Opfer. Anders bei einem Angriff am Vormittag. Ein gerade mal 13-jähriger Palästinenser verletzte Vater und Sohn in einer israelischen Siedlung im Stadtteil Silwan in Ost-Jerusalem mit Schüssen. Die Polizei sprach von einem "Terror-Angriff". Bewaffnete Passanten hätten schließlich auf den Jungen geschossen. Am Abend zuvor hatte bereits ein Anschlag auf Besucher einer Synagoge mit sieben Toten für Entsetzen gesorgt.
Die Polizei nahm mindestens 42 Verdächtige - Verwandte und Nachbarn des getöteten Attentäters - fest. Was ihnen zur Last gelegt wird, war zunächst nicht bekannt. Israel hatte 1967 das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute mehr als 600.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen unabhängigen Staat Palästina mit dem arabisch geprägten Ostteil Jerusalems als Hauptstadt.
Israels Sicherheitskabinett beschloss nach den Angriffen neue Maßnahmen zur Terror-Bekämpfung. So sollen israelische Bürger etwa leichter und schneller Lizenzen für Schusswaffen bekommen. Details dazu nannte das Kabinett nicht. Israel will zudem Angehörige von Attentätern, die Terrorismus unterstützen, Sozialversicherungsansprüche und Gesundheitsleistungen entziehen. Ob und wie genau überprüft werden soll, ob jemand Terror-Unterstützer ist, war zunächst unklar. "Wir suchen keine Eskalation, aber wir sind auf jedes Szenario vorbereitet", sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei der Sitzung des Kabinetts gestern Abend.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und viele weitere internationale Politiker verurteilten den Angriff. "Deutschland steht an Israels Seite", hieß es von Scholz. "Mein Herz bricht bei der Nachricht von den schrecklichen Terroranschlägen am Schabbat in Jerusalem", sagte Israels Präsident Izchak Herzog.
Auch Saudi-Arabien, das mit Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält, teilte mit, "jegliche Angriffe auf Zivilisten" zu verurteilen. Viele Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland reagierten dagegen mit Freudenfeiern auf den Terroranschlag vom Freitag. Die palästinensische Führung ließ in einer Erklärung verlauten, Israel sei "voll verantwortlich für die gefährliche Eskalation". In diesem Jahr seien bereits 31 Palästinenser getötet worden. Die Menschen, darunter mehrere Jugendliche, starben in Zusammenhang mit Militäreinsätzen und eigenen Anschlägen.
Erst am Donnerstag waren bei einer Razzia israelischer Soldaten im Westjordanland neun Menschen getötet worden, darunter Mitglieder der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad. Es war einer der tödlichsten Militäreinsätze seit Jahren in dem palästinensischen Autonomiegebiet.
Der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir forderte, Bürger "besser zu bewaffnen, um solche Anschläge zu vermeiden". Ben-Gvir gilt als politischer Brandstifter und wurde bereits wegen rassistischer Hetze und Unterstützung einer jüdischen Terrororganisation verurteilt. Gegen die neue ultrarechte Regierung und ihre geplante Reformen im Justizsystem protestierten gestern Abend Medienberichten zufolge wieder Zehntausende Menschen im ganzen Land. Demonstranten zündeten zum Gedenken an die Terror-Opfer Kerzen an. Zudem hielten sie eine Schweigeminute für die Getöteten. Einige Beobachter warnen angesichts der geplanten Reform vor einem Ende der israelischen Demokratie.
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