Der Chef des Antikorruptionsbüros, Semen Krywonos, versicherte, dass das Verfahren transparent ablaufen werde. "Es gibt Schmiergeld, es gibt ein Motiv, die Tatsache wurde festgestellt, es gibt konkrete Personen", sagte der 40-Jährige. Die Festnahme des Obersten Richters sei dabei das "aufsehenserregendste Verfahren" seit der Gründung seiner Behörde 2015. Krywono begleitet den Posten erst seit Anfang März. Tags zuvor war der 43-jährige Knjasjew wegen des Erhalts von umgerechnet 2,5 Millionen Euro in bar festgenommen worden. Medienberichten zufolge kam das Geld von einem in Frankreich lebenden Oligarchen. Dieser hat die Vorwürfe bereits zurückgewiesen.
Bereits am Montag teilte das Antikorruptionsbüro der Ukraine auf seinen Social-Media-Kanälen Telegram und Facebook mit, dass eine gemeinsame Untersuchung mit der Sonderstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung "groß angelegte Korruption im Obersten Gerichtshof aufgedeckt habe". Im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung des Kollegiums des Obersten Gerichtshofs zeigten sich die Richter "schockiert" über die Vorwürfe und sprachen von einem "schwarzen Tag in der Geschichte des Gerichts". Sie würden freiwillig und in vollem Umfang mit den Behörden kooperieren, teilten die Richter mit. Trotz der nach dem prowestlichen Umsturz 2014 geschaffenen neuen Korruptionsbekämpfungsorgane gilt die Ukraine weiter gemäß der Nichtregierungsorganisation Transparency International nach Nachbar Russland als das korrupteste Land Europas.
Die Europäische Union hat die Bekämpfung der Korruption zur Voraussetzung für den Beitritt der Ukraine zur 27-köpfigen Gruppe gemacht. Doch trotz der Fortschritte bei der Bewältigung des Problems in den letzten Jahren liegt die Ukraine im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International auf Platz 116 von 180 Ländern.
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